Buß- und Bettag: Große und kleine Zusammenhänge
Ausschlafen, die seltenen Sonnenstrahlen im meist grauen November genießen, den TV-Gottesdienst schauen, Familie und Freunde besuchen, heimwerken, lesen, einen Ausflug machen – es gibt viele schöne Dinge, die so ein Feiertag mitten in der Woche möglich macht und die wir euch von Herzen gönnen. Der Buß- und Bettag ist aber auch ein guter Anlass, über Zusammenhänge nachzudenken. Große wie kleine.
Die Evangelische Kirche hat den Buß- und Bettag in diesem Jahr unter das Motto „Ich bin da, wenn du mich brauchst“ gestellt. Ihre Pressemitteilung dazu trägt die Überschrift „Alleine geht es nicht“. Damit werden nicht nur Kirchgänger angesprochen, denn das wäre gerade im Osten ein eher kleiner Kreis. Nach einer Erhebung waren Ende letzten Jahres beispielsweise nur 15,8 Prozent der Dresdnerinnen und Dresdner Mitglied in einer der beiden großen christlichen Kirchen – unter zwölf Prozent evangelisch und gut vier Prozent römisch-katholisch. In anderen ostdeutschen Großstädten sind es oft noch weniger, so auch in Leipzig und Chemnitz. Im Westen Deutschlands liegen die Zahlen meist zwischen 40 und 50 Prozent, manchmal auch darüber. Rückläufig sind sie aber überall.
Ob die große Mehrheit der Konfessionslosen in Sachsen also heute empfänglich für religiöse Botschaften ist, sei dahingestellt. Von der Idee her ist der evangelische Buß- und Bettag, gefeiert immer am Mittwoch vor dem Totensonntag, ein Tag des In-sich-Gehens, der Besinnung, Ein- und Umkehr, der Auseinandersetzung mit Fehlverhalten – vorzugsweise dem eigenen. Dieser rote Tage im Kalender ist eher unscheinbar und nicht so leicht zu fassen, auch für elektronische Hirne. Wer im Internet nach Fotos vom Buß- und Bettag sucht, bekommt viele Busse angezeigt.
Aber neben dem rein individuellen Umgang mit dem Buß- und Bettag gibt es auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension: Sachsen ist nämlich das einzige Bundesland, das an dem gesetzlichen Feiertag festhielt, als der 1995 bundesweit abgeschafft wurde. Grund war die Einführung der Pflegeversicherung beziehungsweise ihre Finanzierung. Dass heute arbeitsfrei ist, kostet die Sachsen also höhere Beiträge. In einer aktuellen Online-Umfrage der „Sächsischen Zeitung“ findet eine deutliche, wenn auch nicht repräsentative Mehrheit: Der sächsische Sonderweg ist zu teuer, der Feiertag sollte abgeschafft werden.
Wer das möchte, kann das heutige Innehalten also mit dem Nachdenken über kleinere und größere Zusammenhänge verbinden. Die Stadtratsfraktion des BSW wünscht auf jeden Fall einen Tag zum Durchatmen, zur Besinnung aufs Wesentliche und für all die Beschäftigungen, die sonst im Alltag zu kurz kommen.







