Fernsehturm: Gute Aussichten für die beste Aussicht
Der Dresdner Fernsehturm ist ein Multitalent, aber seit 1991 auf den Sendebetrieb reduziert und damit eigentlich stark unterfordert. Viele werden sich noch erinnern, was für ein tolles Ausflugsziel er doch früher war und welch fantastische Aussicht man von dort hatte. Vorbei! Aber zum Glück wohl nicht für immer. Denn das Potenzial soll wieder erschlossen werden, der Stadtrat darüber Anfang März entscheiden. Trotz verschiedentlicher Kritik befürwortet das BSW eine neuerliche Ertüchtigung des Fernsehturms für den Publikumsverkehr. Dass bis zu einer Wiederöffnung nicht nur am Turm selbst noch viel zu tun ist, steht dabei außer Frage.
Die großen Sehenswürdigkeiten von Dresden haben meist eine lange Geschichte. Der Fernsehturm ist dagegen erst 56 Jahre alt. Und selbst davon war er länger geschlossen als geöffnet. Dennoch gilt der 252 Meter hohe Betonriese als Wahrzeichen und eines der prägendsten Bauwerke der Stadt. „Ein herausragendes Beispiel der Ost-Moderne“, sagt BSW-Stadtrat Maurice Devantier.
Kontroverse Debatte zu erwarten
Trotz nicht gerade zentraler Lage sieben Kilometer Luftlinie östlich der Altstadt kamen vor der Wende um die 200.000 Besucher pro Jahr, um den Fernsehturm und den Blick von oben zu bestaunen. Dass diese Top-Attraktion wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, liegt auch dem BSW am Herzen. Unsere Fraktion unterstützt deshalb ein Sanierungsvorhaben, das nach jahrzehntelangem Stillstand endlich Bewegung in die Sache bringt. Der Stadtrat wird sich Anfang März in seiner zweiten Sitzung in diesem Jahr damit befassen. Es zeichnet sich eine kontroverse Debatte ab.
Um die Lage nicht nur aus dem stillen Kämmerlein zu beurteilen, hat sich Maurice, der auch Mitglied im Lenkungsausschuss Fernsehturm ist, diese Woche selbst ein Bild vor Ort in Wachwitz gemacht: Zufahrtsstraßen, Parkmöglichkeiten, Auswirkungen auf die Nachbarschaft des Turms. Gerade Anwohner hatten sich zuletzt vermehrt skeptisch zu den Revitalisierungsplänen geäußert, speziell im Hinblick auf das Verkehrskonzept, von dem wenig übriggeblieben sei. So ging es beispielsweise im Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig zuletzt hoch her, bevor dann doch eine Mehrheit das Konzept votierte. Die Kritik der Anwohner müsse „gehört und erst genommen“ werden, so Maurice. Worum geht es genau?
Bis zu 199 Besucher auf einmal
In einer Präsentation der Stadt unter dem Titel „Einleitung der Durchführungsphase“ wird beschrieben, was die Sanierung im Einzelnen beinhaltet. Und auch, dass zu Füßen des Fernsehturms ein schon zu dessen Eröffnung 1969 angedachtes, aber nicht verwirklichtes Restaurant eingerichtet wird. Bauherrin ist die Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochter der Telekom, als Eigentümerin des Turms.
Zur selben Zeit sollen sich nie mehr als 199 Gäste in dem Kulturdenkmal aufhalten dürfen. Der Besuch wird an eine Vorbuchung für einen Zwei-Stunden-Slot geknüpft. Spontan vor Ort ein Ticket zu lösen, fällt damit flach. Das ist einerseits schade, beugt aber andererseits einem Massenandrang zu Spitzenzeiten vor. Auch nach einem drohenden Verkehrschaos, wie es teils an die Wand gemalt wird, und nach zugeparkten Straßen im angrenzenden Wohngebiet (wo ohnehin Parkverbot herrscht) klingt das erstmal nicht.
Wie die Anreise erfolgen soll
Nach jetzigem Stand wird die Zufahrt zum existierenden Fernsehturmparkplatz auf Besucher mit Ticket beschränkt. Zusätzlich sollen im Umfeld fünf öffentliche Parkplätz sowie Stellplätze für zwei Reisebusse eingerichtet werden. Vom Parkplatz ist es ein kurzer Fußweg zum Fernsehturm, der momentan noch querfeldein verläuft und an Zäunen oder verschlossenen Toren endet. Unmittelbar am Turm sollen Stellplätze für Beschäftigte und Menschen mit Behinderung sowie für Taxis und Fahrräder geschaffen werden.
Von Shuttlebussen ist inzwischen keine Rede mehr, auch der Takt der Buslinie 61, die am Parkplatz ihre Endhaltestelle hat und alle 20 Minuten verkehrt, soll offenbar nicht verdichtet werden. Ein in Erwägung gezogenes Parkhaus wurde wieder verworfen. Weiterhin in den Planungen enthalten – auch unabhängig von der weiteren Entwicklung beim Fernsehturm – sind der Ausbau der Quohrener Straße, über die der Verkehr von der Bautzener Landstraße Richtung Wachwitz hauptsächlich rollt, und noch ausstehende P+R-Infrastruktur an der neuen Rossendorfer Schleife.
Zu fordern, alles müsse fertig sein, bevor überhaupt eine Zustimmung zum Beginn der Sanierung erteilt werden könne, hieße, die Arbeiten am Fernsehturm auf Jahre auszubremsen. Dabei scheint es schon jetzt eher fraglich, ob das verschiedentlich genannte Jahr 2030 als Zeitpunkt der Wiedereröffnung zu halten ist. Die Ertüchtigung des Turms und die verkehrstechnischen Maßnahmen sollten also parallel erfolgen.
Die Kosten sind überschaubar
Kritik an den Plänen kommt immer wieder von der Bürgerinitiative Fernsehturm – nach eigenen Angaben eine Stimme der Anwohner. Sie befürchtet „Lärm, Müll und Emissionen“, sollte wieder Leben in den Turm kommen. Auch die Natur auf den Elbhängen gerate „unter Druck“.
Oft zu hören ist das Argument, in Zeiten knapper Kassen habe Dresden wahrlich andere Sorgen, als in den Fernsehturm als Ausflugsziel zu investieren. Aber unser Stadtrat Maurice Devantier weist zu Recht darauf hin, dass man die Zahlen ins Verhältnis setzen müsse. Zwar belaufen sich die Gesamtkosten für die Sanierung des Turms auf 25,6 Millionen Euro, doch die Stadt hat davon mit 6,4 Millionen Euro nur ein Viertel zu tragen. Für ein Projekt dieser Größenordnung und vor dem Hintergrund eines 2,5-Milliarden-Haushalts ist das ein vergleichsweise überschaubarer finanzieller Aufwand.
Der schönste Fernsehturm
Zu guter Letzt darf man sich als Dresdner natürlich auch einfach freuen, dass der Fernsehturm über kurz oder lang wieder seiner ursprünglichen Bestimmung in vollem Umfang gerecht werden soll. Maurice nennt dafür noch einen zusätzlichen Grund: „Für mich ist unser Fernsehturm der schönste überhaupt.“ In diesem Zusammenhang ein kurzer Blick über den Tellerrand: Der Dresdner Fernsehturm ist der neunthöchste in Deutschland. Als touristische Highlights bekannt sind unter anderem der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz (eröffnet 1969), der Stuttgarter Fernsehturm (1956), der Florianturm in Dortmund (1959) und der Rheinturm in Düsseldorf (1982).
Wegen Sanierung nicht besucht werden können derzeit der Olympiaturm in München (1968) und der Fernmeldeturm in Mannheim (1975). Im Hamburger Heinrich-Hertz-Turm (1968) sind die öffentlich zugänglichen Bereiche seit 2001 geschlossen, die Sanierung ist jedoch beschlossene Sache. Dass es auch in Dresden dazu kommt, wünschen sich viele Dresdnerinnen und Dresdner. Die BSW-Fraktion wird dafür alle Hebel in Bewegung setzen.











