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28. März 2026

Krankenakte eines Bauprojekts: BSW warnt vor Risiken

Das Ärztehaus an der Ecke Niedersedlitzer Straße/Prohliser Allee in Prohlis

Für viele Prohliser ist ihr Stadtteil – ein Kind des DDR-Wohnungsbauprogramms – besser als sein Ruf. Das soll natürlich auch so bleiben und das Leben in dem Plattenbaugebiet, entstanden Ende der 1970er Jahre, zumindest nicht schlechter werden. Deshalb sorgte die Nachricht, dass das Ärztehaus am Albert-Wolf-Platz einem Azubi-Wohnheim weichen soll, für große Verunsicherung. Denn allein die dort ansässige Hausarztpraxis versorgt mehrere Tausend Patienten. Ob und wie es damit weitergeht, wenn der Flachbau einmal abgerissen ist – bis heute unklar. Baustart für das zehnstöckige Wohnheim soll dabei schon Anfang 2027 sein. Das setzt einen Auszug der jetzigen Mieter spätestens zum Jahresende voraus. Doch die Mietverträge laufen teilweise noch bis weit in das kommende Jahr hinein.

Das Ringen um eine zufriedenstellende Lösung für alle beteiligten Seiten hat inzwischen auch den Stadtrat erreicht. Der nämlich beschloss in dieser Woche mehrheitlich, zwei Flurstücke zur Errichtung des Wohnheims an die städtische Baugesellschaft Stesad zu übertragen, die den Bau realisieren soll. Damit ist die Entscheidung über den Abriss des Ärztehauses gefallen. Immerhin darf er laut Beschluss erst erfolgen, wenn für die bisherigen medizinischen Leistungen ein neuer, „adäquater“ und „ortsnaher“ Standort gefunden sei.

Das BSW hat sich bei der Abstimmung enthalten – zu groß sind die Ungereimt- und Unwägbarkeiten. Darauf wies unser Stadtrat Dominik Hecker, der selbst in Prohlis wohnt, in seiner Rede hin. Der Begriff „adäquat“ sei so unkonkret, dass er vielfältig ausgelegt werden könne. Sich auf solche Formulierungen zu verlassen, „davor warne ich“, so Dominik. Die bisher gemachten Angebote seien jedenfalls alles andere als „adäquat“ gewesen.

Ein Vor-Ort-Gespräch mit den Betroffenen habe ergeben, dass die öffentlichen Aussagen der Verwaltung zu dem Thema „nicht haltbar“ seien, sodass eine „teure Katastrophe“ befürchtet werden müsse. Das sei beispielsweise der Fall, wenn Ärzte auf der Erfüllung ihres Mietvertrages bestünden oder – noch schlimmer – Prohlis auf Nimmerwiedersehen verließen. Dominiks bitteres Fazit: „Die Prohliser sollten sich schon mal warm anziehen, denn sie zahlen den eigentlichen Preis.“

Das Wohnheim ist mit mindestens zehn Etagen und über 300 Einzelzimmern geplant. Es soll nach seiner Fertigstellung, die aktuell für den Sommer 2029 terminiert ist, Azubis des Berufsschulzentrums für Elektrotechnik aufnehmen. Dessen Neubau wird ebenfalls in Prohlis errichtet, praktisch gegenüber des Wohnheims auf der anderen Seite der zentralen Prohliser Allee. Noch befindet sich dort ein mittlerweile verfallenes Schulgebäude. Bis 2004 war darin das Erich-Wustmann-Gymnasium beheimatet. Später diente es als Ausweichort für andere Schulen, darunter das Hans-Erlwein-Gymnasium, und als Flüchtlingsunterkunft. Bereits ab 2028 soll auf dem Grundstück an der Boxberger Straße in einem hochmodernen Campus der Nachwuchs für die Halbleiterindustrie ausgebildet werden. Von den 136 Millionen Euro Baukosten sind 100 Millionen durch EU-Fördermittel abgedeckt.

Für Prohlis, sonst eher als Sorgenkind der Stadtentwicklung gehandelt, ist das ein sehr willkommenes Projekt. Doch damit sich die Prohliser auch wirklich darüber freuen können, gibt es noch viel zu tun. Im Moment trüben Bedenken und Zweifel leider die Hoffnungen erheblich.

BSW-Stadtrat Dominik Hecker: Teure Katastrophe droht

Hier soll der Neubau des BSZ für Elektrotechnik entstehen.