Pragmatismus statt Wunschdenken: Vernunft siegt beim Wärmeplan

28. September 2026

Wie BSW-Stadträtin Berit Schönfeld für Hilfe zur Selbsthilfe kämpfte

Berit Schönfeld plädierte im Stadtrat vehement für ein Konzept, das Selbstvertretungen von Jugendlichen vorsieht.

Die achte Stadtratssitzung in diesem Jahr hielt eine Premiere parat: Erstmals waren alle vier Stimmen der BSW-Fraktion in den Debatten zu den jeweiligen Themen zu hören. Stadträtin Berit Schönfeld lieferte einen so überzeugenden Auftritt ab, dass den meisten gar nicht aufgefallen sein dürfte, dass es ihre erste Rede war und nicht die hundertste.

Nervös? BSW-Stadträtin Berit Schönfeld ließ sich zumindest nichts anmerken, als sie zum ersten Mal am Rednerpult im Plenarsaal des Rathauses stand. Die Sozialpädagogin sprach über ein Thema, zu dem sie durch ihren Berufsalltag eine besonderen Bezug hat, nämlich die Anregung und Förderung selbstorganisierter Zusammenschlüsse zur Selbstvertretung durch die öffentliche Jugendhilfe. Grundlage dafür ist das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz von 2021. Dresden hat zur Umsetzung ein eigenes Konzept entwickelt – als erste Kommune in Deutschland. Über dieses Modellprojekt musste nun der Stadtrat abstimmen. Die Vorlage scheiterte denkbar knapp. 33 Stimmen dafür und 33 dagegen waren nicht genug. Ein Gleichstand beim Votum wird als Ablehnung gewertet.

An Berit kann das nicht gelegen haben. Sie warb mit Kopf und Herz für das Konzept, von dem Dresdner Familien in Notlagen und junge Menschen ohne familiären Rückhalt in erster Linie profitieren sollen. Auszug aus Berits Rede: „Wenn ein 18-Jähriger aus der Wohngruppe entlassen wird und in Dresden allein im Alltag komplett überfordert ist, dann bricht er seine Ausbildung ab und landet ein Jahr später als Härtefall wieder beim Sozial- und Jugendamt. Das ist der klassische Drehtüreffekt, der die Stadt Unmengen Geld kostet.

Wenn wir aber den Betroffenen über strukturierte Netzwerke die Chance geben, sich gegenseitig zu unterstützen und aufzufangen, schaffen wir echte Hilfe zur Selbsthilfe. In der Fachwelt nennen wir das Empowerment.“

Dass CDU, AfD und Team Zastrow dieses Szenario mit ihren Stimmen verhinderten, wunderte Berit nach eigenen Worten nicht: „Viele sehen nur die Zahlen.“ Natürlich würden Personalkosten verursacht. „Die Stadt muss das nicht machen, aber dann wird es nachträglich teurer. Ich weiß aus meiner beruflichen Praxis, dass Nachhaltigkeit dem Staat viel Geld spart.“ Man könne die Hilfen entweder aktiv gestalten und steuern oder riskiere eben einen unkontrollierten Wildwuchs aus unkoordinierten Einzelanträgen.

In Kommunalpolitik übersetzt, bedeute das: „Es geht um die Erziehung zur Eigenverantwortung. Wir brauchen in unserer Gesellschaft junge Menschen, die selbstständig denken, die anpacken und lernen, für sich selbst sorgen, anstatt dauerhaft zu reinen Leistungsempfängern des Staates zu werden. Genau das leistet dieses Konzept. Jeder Euro für klare und effiziente Strukturen in der Selbsthilfe ist eine Investition, die junge Menschen in die Selbstständigkeit führt, teure stationäre Wohnformen verhindert und Dresden langfristig bares Geld spart.“

Eine Zustimmung zum Konzept liege im elementaren Interesse von Dresden, sowohl rechtlich als auch finanziell, sagte Berit. Am Ende kam es leider anders. Gerade für die Schwächsten in unserer Gesellschaft ist das keine gute Nachricht.