Massive Kritik an Fahrradzählern
Zwei sogenannte Fahrradbarometer wurden im Frühjahr an der St. Petersburger Straße aufgestellt. Obwohl insgesamt zehn davon geplant waren, könnten sie die einzigen beiden bleiben. Denn ihr Nutzen ist, gelinde gesagt, umstritten. Für den Bund der Steuerzahler sind sie ein Beispiel für Steuergeldverschwendung. Und auch der Stadtrat hat OB Hilbert zuletzt mehrheitlich beauftragt, weitere Anschaffungen zu prüfen und nach Möglichkeit zu stoppen. Das BSW stimmte für den entsprechenden Antrag.
Es in das „Schwarzbuch“ des Bundes der Steuerzahler zu schaffen, sorgt für eine wenig wünschenswerte Publicity. Dresden ist das mit seinen Radverkehrszählanlagen „gelungen“. Die sind in der aktuellen Auflage des „Schwarzbuchs“ nämlich zusammen mit anderen Steuersünden zu finden. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die Aufstellung der offiziell als Fahrradbarometer bezeichneten Säulen als „teures Prestigeprojekt“, das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei „fragwürdig“. Zusammenfassend heißt es: „Die Barometer dienen einem rein repräsentativen Zweck und nicht der Verkehrslenkung oder -sicherheit. Diese Investition ist unnötig und teuer, denn die Informationen wären mit bestehenden Technologien günstiger zu erzielen gewesen. Auch der Verweis auf Fördermittel rechtfertigt nicht diese Maßnahme, sondern eine Förderung verpflichtet zu einer besonders sorgfältigen Prüfung der Notwendigkeit.“
Auf den Displays der Anlagen, von denen die ersten beiden seit April an der St. Petersburger Straße stehen, ist zu sehen, wie viele Radfahrerinnen und Radfahrer dort am jeweiligen Tag und im gesamten Jahr gezählt wurden. Die Zahlen sollen offenbar die Rolle des Radverkehrs in Dresden dokumentieren, eine andere Funktion ist nicht zu erkennen. Befürworter sprechen in der Regel davon, dass damit ein „Bewusstsein für den Radverkehr“ geschaffen werde.
Diesem eher symbolischen Zweck steht der stolze Preis von 45.000 Euro pro Barometer gegenüber. Die Stadt trägt etwa ein Drittel davon, der Rest sind Fördergelder vom Bund.
Auch der Stadtrat bewertete diese Investition jetzt mehrheitlich als erlässlich, darunter mit den Stimmen des BSW. Bereits im Frühjahr hatte die Stadt auf ihren Social-Media-Kanälen überwiegend negative und oft emotionale Reaktionen geerntet, weil in Zeiten knapper Kassen hier Geld in Technik mit sehr überschaubarem Nutzen gesteckt wird. Selbst Baubürgermeister Kühn (Grüne), in dessen Ressort die Anlagen fallen, konnte bei der Stadtratssitzung am 13. November zur Sinnhaftigkeit wenig Aufklärung leisten. Er berief sich hauptsächlich darauf, dass die Stadt damit nur umsetze, was im 2017 verabschiedeten Radverkehrskonzept stehe, und dass anderenfalls die Fördergelder zurückgefordert werden könnten.
Das half alles nichts: Der Stadtrat beschloss, dass OB Hilbert über die weiter geplanten Radverkehrszählanlagen Bericht erstatten muss und dass deren Beschaffung beziehungsweise Installation gestoppt werden soll, sofern die Kosten vertretbar sind. Das Geld soll stattdessen in eine verkehrsplanerische Konzeption für die Hauptstraße fließen. In der Fußgängerzone zwischen Goldenem Reiter und Albertplatz sind auch Radfahrer ein gewohntes Bild, zumal seit dem Einsturz der Carolabrücke und damit einer Elbquerung, dank derer der Durchgangsradverkehr abseits der Hauptstraße auf direktem Wege Richtung Albertplatz geleitet wurde. Seit dem Wegfall der Carolabrücke läuft der Radverkehr zwischen Alt- und Neustadt hauptsächlich über die Augustusbrücke, die mit der Hauptstraße quasi eine Achse bildet. Doch das verstärkte Nebeneinander von Fußgänger- und Radverkehr auf dem Boulevard funktioniert nicht immer harmonisch. Die Beschwerden haben sich in letzter Zeit gehäuft.





