Ostmoderne in Hochform: Die Neue Mensa zeigt, wie es geht
Hähnchendöner, Seelachs oder Erbsencremesuppe? Seit die Neue Mensa der TU Dresden zwölf Jahre nach ihrer Schließung wieder geöffnet ist, haben Besucher eigentlich nur ein Problem: Sie müssen sich zwischen den ganzen Wahlgerichten – die auch noch täglich wechseln – entscheiden können. Der 1981 eingeweihte und seit 2008 denkmalgeschützte zweistöckige Bau wurde aufwendig saniert und modernisiert und ist nun sogar (wieder) Futter für die Augen.
Während viele andere Vertreter der Ostmoderne leider verloren gegangen oder in einem schlechten Zustand sind, ist die Neue Mensa ein tolles Beispiel für einen respektvollen Umgang mit DDR-Architektur. Die Kontinuität hat hier sogar einen Namen: Gebaut wurde die Mensa nämlich nach Entwürfen des Dresdner Architekten Ulf Zimmermann, sein Sohn Norbert zeichnete jetzt dafür verantwortlich, das Original behutsam fit zu machen für Gegenwart und Zukunft.
Der Wiedererkennungswert ist außen wie innen hoch, bis hin zur „Kunst am Bau“, die für die Entstehungszeit typisch war. Gleichzeitig wurde die Funktionalität an heutige Bedürfnisse angepasst, etwa durch den zentralen Free-Flow-Bereich.
Dort kann auf Wunsch sogar dabei zugesehen werden, wie das eigene Essen zubereitet wird.
Als 2014 die Mensa Zeltschlösschen ganz in der Nähe als Übergangslösung für die Zeit des Umbaus ihre Tore öffnete, wurde veranschlagt, dass dieses Provisorium für fünf, sechs Jahre benötigt wird. Am Ende dauerte vieles länger und auch die Kosten für den Freistaat wuchsen auf mehr als Doppelte dessen an, was anfangs kalkuliert worden war. Gut, dass vor diesem Hintergrund wenigstens die Preise in der Mensa mehr oder weniger stabil geblieben sind. Studentinnen und Studenten zahlen für ein Hauptgericht zwischen zwei und fünf Euro.
Bleibt zu hoffen, dass die Neue Mensa für einen längst überfälligen Sinneswandel im Verhältnis zur Ostmoderne steht – einer Architekturepoche, die in Dresden unter anderem den Kulturpalast, die Prager Straße, das Haus der Presse oder das Robotron-Gelände hervorgebracht hat. „Bauzeugnisse aus jener Zeit gehören geschätzt und geschützt“, sagt Ralf Böhme, Fraktionsvorsitzender des BSW im Stadtrat Dresden. Dass es gelingen kann, Bewahrung mit Entwicklung zu verknüpfen, demonstriert die TU-Mensa eindrucksvoll.







