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BSW kritisiert Ökonomisierung der sozialen Arbeit

BSW-Stadträtin Berit Schönfeld bei der Fragestunde im Stadtrat

Die Stadtverwaltung Dresden wälzt den aktuellen Haushaltsdruck zunehmend auf die Hilfen zur Erziehung (HzE) ab. Die Fraktion BSW im Stadtrat schlägt deshalb Alarm: Durch die Abschaffung flexibler Stundenkontingente, intransparente Rechnungskürzungen und moralischen Druck auf betroffene Familien in Hilfeplangesprächen drohe eine gefährliche Ökonomisierung der sozialen Arbeit, so Stadträtin Berit Schönfeld. „Pädagogische Prozesse und der Aufbau von Vertrauen in Familien brauchen Zeit. Sie lassen sich nicht im wirtschaftlichen Schnelldurchlauf abwickeln. Was wir aktuell in Dresden erleben, ist eine Mangelverwaltung, die das Kindeswohl gefährdet und freie Träger an den Rand des Ruins treibt.“

Das BSW hat zu den Missständen eine Anfrage im Stadtrat gestellt. Berit Schönfeld fordert darin von der Stadtverwaltung lückenlose Aufklärung sowie die Rückkehr zu einer fachlich fundierten und partnerschaftlichen Jugendhilfe.

Besonders schwer wiegt für die BSW-Fraktion die Abschaffung der sogenannten Poolstunden. Bisher konnten freie Träger ein jährliches Stundenkontingent selbst verwalten, um in akuten Krisen oder bei dynamischen Hilfeverläufen sofort und unbürokratisch nachzusteuern. „Dieses Sicherheitsnetz wurde gekappt. Wenn es heute in einer Familie brennt, müssen Fachkräfte wertvolle Zeit in langwierige, bürokratische Absprachen mit dem Jugendamt stecken, anstatt sofort vor Ort zu helfen“, so Berit Schönfeld weiter.

Hinzu kommt ein massiver wirtschaftlicher Druck auf die sozialen Dienstleister. Die Stadt hält sich vermehrt nicht an die vertraglich vereinbarte Zahlungsfrist von 21 Tagen. Zudem kürzt das Jugendamt erbrachte Leistungen im Nachhinein – oft völlig intransparent und für die Träger erst auf dem Kontoauszug sichtbar. Berit Schönfeld unmissverständlich: „Das ist ein unhaltbarer Zustand und grenzt an Vertragsbruch. Die Stadt gefährdet mutwillig die Liquidität und die Arbeitsplätze derjenigen, die die soziale Infrastruktur unserer Stadt sichern.“

Besonders schockierend sind Berichte aus der Praxis, wonach Familien in Hilfeplangesprächen vermehrt damit konfrontiert werden, dass ihre Unterstützung „auf Kosten des Steuerzahlers“ erfolge. Ziele müssten deshalb mit maximalem Nachdruck sofort erreicht werden.

„Das widerspricht dem gesetzlichen Auftrag des SGB VIII, der eine partnerschaftliche und ressourcenorientierte Hilfe vorschreibt“, betont die BSW-Stadträtin. „Wer hilfesuchenden Eltern ein schlechtes Gewissen einredet, zerstört das mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnis. Das Wohl des Kindes muss die Richtschnur sein, nicht der Kassensturz im Rathaus.“