„Desinformation“: Wissenschaftler kontert Sachsen-Energie
Sachsen-Energie hat einen Weiterbetrieb des vor gut zwei Jahren stillgelegten Pumpspeicherwerks Niederwartha ausgeschlossen. Dies ist laut einer Pressemitteilung, die auf große Resonanz stieß und auch in überregionalen Medien veröffentlicht wurde, das Ergebnis einer intensiven Prüfung. Demnach wäre eine Reaktivierung des PSW als Stromspeicher „wirtschaftlich unverantwortlich und in einem hohen Maß ineffizient“. Die Kosten für Instandsetzung bzw. Neubau beziffert Sachsen-Energie mit 245 Millionen Euro.
Argumente wie diese sind nicht neu. Sie wurden bereits angeführt, als der schwedische Energieversorger Vattenfall in seiner Rolle als Eigentümer das Pumpspeicherwerk zum 1. April 2024 vom Netz nahm. Für Irritationen hat nun aber gesorgt, dass sich Sachsen-Energie bei seinem Verdikt nicht nur auf eigene Fachleute beruft, sondern auf „Fachexperten aus Wissenschaft und Wirtschaft“. Wortwörtlich heißt es, eine Expertenanhörung Anfang März habe „nochmals deutlich gemacht“, dass das PSW „keine Zukunft in Dresdens Energieinfrastruktur“ habe.
Als er das las, hat sich der Wissenschaftler Prof. Sigismund Kobe von der TU Dresden verschaukelt gefühlt. Er spricht von „Desinformation“ und verlangte sogar eine Gegendarstellung, was Sachsen-Energie allerdings ablehnte. Kobe war als Sachverständiger zu besagter Anhörung im Umweltausschuss des Stadtrates geladen. Nach seinen Angaben habe es dort unterschiedliche Meinungen gegeben, die sich keineswegs auf den Nenner bringen ließen, den Sachsen-Energie der Öffentlichkeit suggeriere.
Kobe selbst ist erklärter Befürworter einer Ertüchtigung des PSW, dessen Abschaltung er einen „Schildbürgerstreich“ nennt. In einem Schreiben kommentiert der Physiker die Argumente, die Sachsen-Energie contra PSW anführt – nichts davon ist für ihn stichhaltig. Zum Beispiel die These, dass – Zitat – „moderne Batteriespeicher technisch grundsätzlich für die Speicherung des Stroms aus erneuerbaren Quellen besser geeignet sind“. Kobe: Der Vergleich mit „modernen Batteriespeichern“ sei unzulässig, „weil es solche für den Einsatzfall von PSW in Deutschland bisher nicht gibt“. Weiter schreibt er: „Strom aus Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen in Deutschland ist hochgradig volatil. Er wird aus der Sicht der Verbraucher meist zur falschen Zeit am falschen Ort erzeugt. Die natürlichen technologischen Partner einer solchen Erzeugung sind Speicher. […] Die einzigen Großspeicher für die öffentliche Stromversorgung sind Pumpspeicherwerke (Gesamtspeicherkapazität ca. 40 GWh).“
Nur Pumpspeicherwerke seien bisher in der Lage, überproduzierten Strom bei viel Sonne/Wind für erzeugungsschwache Zeiten zu speichern. Wenn also Deutschland politisch weiter auf Erneuerbare Energien setzen wolle, dann setze das „zwingend das Vorhandensein von Großspeichern mit einer den Ausbauzielen entsprechenden Speicherkapazität voraus“. Jeder Speicher werde gebraucht, „deshalb muss auch das PSW Niederwartha ertüchtigt werden“.





