Minus 94 Prozent russische Touristen in Dresden
Für den Fremdenverkehr in Dresden waren Gäste aus Russland lange Jahre eine Hausnummer. Doch zwischen 2019 und 2025 ging die Zahl der Ankünfte russischer Touristen um rund 94 Prozent zurück, wie der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage von BSW-Fraktionschef Ralf Böhme zu entnehmen ist. Die Zahlen stammen von der Dresden Marketing GmbH, die sich wiederum auf Daten des Statistischen Landesamtes stützt. Demnach wurden im vergangenen Jahr nur noch 1731 Ankünfte von Russen gezählt – mit Ausnahme des Covid-Jahres 2021 der niedrigste Wert überhaupt. 2019 war mit 27.802 Ankünften noch ein neuer Rekord aufgestellt worden. Weil russische Touristen auch noch als tendenziell konsumfreudig gelten, waren sie durchaus ein Wirtschaftsfaktor.
Doch mit dem Krieg in der Ukraine haben sich die Zeiten geändert. Heute werden die Russen im Journal „Dresden in Zahlen“, das quartalsweise vom Presseamt der Stadt herausgegeben wird, unter den für Dresden relevantesten Tourismusnationen gar nicht mehr aufgeführt. Von den 426.268 Ankünften aus dem Ausland im Jahr 2025 entfielen 11,7 Prozent auf Gäste aus Polen, 8,5 Prozent kamen aus den USA, 7,5 Prozent aus Österreich, 6,3 Prozent aus Tschechien und 5,3 Prozent aus der Schweiz.
Mit der Zahl von 2019 wären die Russen im vorigen Jahr auf Platz vier gelandet. Dass ihr Interesse an Dresden dermaßen nachgelassen hat, ist unwahrscheinlich. Vielmehr ist es ungleich schwieriger geworden, überhaupt nach Deutschland zu gelangen. Dass keine direkten Flugverbindungen mehr existieren, macht die Anreise umständlich und teuer. Die Visabeantragung ist ebenfalls aufwendig und langwierig geworden. Ein russisches E-Visum kann online beantragt werden und wird binnen vier Kalendertagen ausgestellt.
Für ein Schengen-Visum muss dagegen ein umfangreiches Paket an Unterlagen beigebracht werden und das besser einige Monate im Voraus, um auf der sicheren Seite zu sein.
Während von den diplomatischen Vertretungen Deutschlands in Russland 2019 (damals noch fünf, heute sind es zwei) 337.000 Schengen-Visa erteilt wurden, waren es 2025 weniger als 25.000. Immerhin: Deutschland, Frankreich, Italien oder auch Spanien als bei Russen traditionell beliebte Reiseziele in Europa vergeben weiterhin Schengen-Visa, andere Länder wie die baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Finnland und Norwegen tun das nicht. (Und das trifft Orte wie Karlsbad hart.) Im November 2025 hat die EU überdies die Ausstellung von Mehrfachvisa an Russen gestoppt. Für jede geplante Reise muss seitdem ein neues Visum beantragt werden.
Damit enden die Unannehmlichkeiten nicht. Russische Kreditkarten werden im Schengenraum nicht akzeptiert, wie umgekehrt auch mit westlichen Kreditkarten in Russland nicht bezahlt werden kann. Abenteuerlustige nehmen so etwas zähneknirschend in Kauf, doch Durchschnittstouristen schreckt es ab, zumal angesichts der sonstigen Hürden.
Welche Pläne und Strategien die Landeshauptstadt wohl vorhält, um wieder deutlich mehr russische Touristen nach Dresden zu locken, „sobald es die internationale Entwicklung wieder zulässt“, fragt Ralf Böhme. Die Antwort macht wenig Hoffnung. „Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage und der internationalen Rahmenbedingungen bestehen derzeit keine Strategien und Pläne, die Anzahl von Gästen aus der Russischen Föderation in Dresden zu steigern“, heißt es in dem Schreiben mit Unterschrift des Ersten Bürgermeisters Jan Donhauser.






