Gelobt sei diese Schule, die tagtäglich Wunder vollbringt

13. Mai 2026

BSW-Stadtrat Maurice Devantier: Mein Pieschen

In unserer Serie „Heimspiel“ beleuchten wir, wo die BSW-Stadträte in Dresden zu Hause sind und in den Stadtrat gewählt wurden. Heute: Maurice Devantier und sein Pieschen.

Der Stadtbezirk Pieschen ist Dresden im Kleinen. Stadtvillen, Mietshäuser, Genossenschaftssiedlungen, schicke neue Wohnanlagen, Häuserblocks aus DDR-Zeiten, alte Dorfkerne – der Nordwesten hat von allem etwas, manchmal sogar in einem Viertel. Vor allem aber haben die einzelnen Stadtteile wie Mickten oder Trachenberge ihren jeweils eigenen Charakter. „Alle Milieus, die es in Dresden gibt, sind hier im ungefähr gleichen Verhältnis vertreten“, erzählt BSW-Stadtrat Maurice Devantier bei einem Rundgang.

Er muss es wissen, wohnt er doch selbst seit fast 25 Jahren in Pieschen. Hier gehen seine Kinder in den Kindergarten und zur Musikschule, hier saß der Gymnasiallehrer zehn Jahre im Stadtbezirksbeirat. Themen, über die dort gestritten wurde, waren beispielsweise das leidige Sachsenbad, nach über 30 Jahren Verfall der wohl größte Schandfleck weit und breit, und die in den 1990er eingestellte Fährverbindung über die Elbe zum Ostragehege.

Ein Spaziergang durch Pieschen ist wegen der städtebaulichen Vielfalt eine wahre Entdeckungsreise. Mit Maurice als Stadtführer gewinnt sie zudem an Kontext und Geschichten. Wir starten an einem der markantesten Punkte des Elberadweges, der Molenbrücke. Maurice als passioniertem Radfahrer geht hier das Herz auf, wie überhaupt am Elbufer, das die südliche Grenze des Stadtbezirks markiert.

Nur einen Steinwurf weiter: das traditionsreiche Ball- und Brauhaus Watzke. 2017 geisterte es sogar überregional durch die Schlagzeilen, aber nicht wegen des eigenen Bieres oder des schönen Elbpanoramas, sondern einer Rede des AfDlers Björn Höcke vor Anhängern, in der dieser das Holocaust-Mahnmal im Zentrum Berlins als Beispiel für eine verfehlte Gedenkkultur bezeichnete.

Die Bewohner von Pieschen können zahlreichen Freizeitaktivitäten nachgehen, ohne die Grenzen ihres Bezirks verlassen zu müssen. Die Liste reicht von Einkaufen (Elbepark) über Gartenarbeit (einige teils ausgedehnte Kleingartensparten) bis zu Sport (Vereine wie Rotation Dresden, Motor Trachenberge oder auch der 1. FFC Dresden).

Wobei es ja gar nicht immer Vereinssport sein muss. Maurice zum Beispiel kickt in einer Hobbytruppe, die Rietz United heißt. Der Name ist eine Anspielung auf die Rietzstraße im Stadtteil Mickten und auf Leeds United, den englischen Fußballklub und Meister früherer Jahre.

Von der urbanen Rietzstraße sind es wiederum nur wenige Gehminuten bis nach Alttrachau mit ganz anderen Eindrücken. „Es macht die Gegend attraktiv, dass sie so abwechslungsreich ist“, sagt Maurice. Nur müsse man sich eben damit arrangieren, dass nebenan Leute wohnten, die einem anderen Milieu angehörten. Genau das sei aber in der heutigen Gesellschaft ein Problem, meint er. Mal über den Tellerrand der eigenen Blase zu schauen und aufeinander Rücksicht zu nehmen, falle vielen schwer. Ein Beispiel dafür sei das häufig gereizte Verhältnis von Auto- und Radfahrern.

Auch um die Hufewiesen, die zweite grüne Oase in Pieschen neben den Elbwiesen, hat es schon viel Streit gegeben. Eine Immobilienfirma möchte auf etwa einem Fünftel der Fläche Wohnungen errichten und Gewerbe ansiedeln. Die Kritiker des Vorhabens haben sich im Verein Hufewiesen Trachau organisiert. Auf dem Gelände wurde gerade zum 15. Mal das „Trachenfest“ gefeiert. Diese ländliche Idylle sei „einmalig in Dresden und anderswo“, aber auch bedroht, heißt es vom Verein, der sie als Ort der Ruhe und des Miteinanders bewahren will.

Maurice sieht das ganz ähnlich. Er würde jegliche Bautätigkeit „am liebsten natürlich ganz verhindern“. Zumal es gar nicht der Punkt sei, keine alternativen Flächen zu haben. „Das eigentliche Problem ist, dass Bauen so teuer ist.“

Die Wald- und Wiesenlandschaft kennt er vom Spielen und Spazierengehen mit seinen Kindern, sie begeistert ihn immer wieder. Mitten in Dresden „könnte hier auch Sibirien losgehen“. Aber vieles ist eben auch sehr deutsch. „Die Bürokraten können den Wald nicht als Wald zählen, weil sonst das Waldgesetz zur Anwendung kommt und man dann Bäume nicht so einfach fällen darf.“ Wie gesagt, Pieschen ist sehr speziell, aber dann auch wieder wie überall.

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