„Tolles Symbol“: Dostojewski wieder unter Menschen

30. August 2026

Trotz aller Warnungen: Stadtrat beschließt Carolabrücken-Roulette

Blick von der Brühlschen Terrasse Richtung Albertbrücke. Dass ungefähr auf halbem Wege einmal die Carolabrücke stand, ist derzeit nur zu erahnen.

Die künftige Carolabrücke in Dresden wird nach dem Entwurf von FHECOR gebaut. Oder sie wird später gebaut. Oder vielleicht auch gar nicht. Zu Risiken und Nebenwirkungen sollten die Dresdnerinnen und Dresdner die Fraktionen von CDU, AfD, Team Zastrow und FDP/FB fragen. Sie haben in der Stadtratssitzung vom 3. September für eine entsprechende Mehrheit von 39 Stimmen gesorgt und damit sämtliche Bedenken zur Umsetzbarkeit des Vorhabens beiseite gewischt. Das Begleitgremium Carolabrücke und eine Expertenjury hatten sich für den Entwurf von LAP als Sieger ausgesprochen. Für das BSW war das gesamte Verfahren fragwürdig und eine andere Lösung vorzuziehen, doch unter den gegebenen Umständen votierte unsere Fraktion ebenfalls für LAP und gegen FHECOR. Dass es dann so kam, wie es kam, war trotz rund zweistündiger Debatte abzusehen gewesen.

BSW-Fraktionschef Ralf Böhme kritisierte den Zuschlag für FHECOR scharf: „Der Stadtrat hat sich für die Variante mit der meisten Angriffsfläche entschieden. Keiner weiß, wann und ob überhaupt gebaut wird. Vielleicht geht es auch halbwegs gut. Aber das wäre dann nicht das Verdienst der Fraktionen, die heute hier für diesen Beschluss verantwortlich sind.“

Der Entwurf von FHECOR sieht eine Brücke vor, die 2,5 Meter höher ist als der Vorgängerbau und einen zusätzlichen Pfeiler hat. Ob damit die Voraussetzung für eine Anerkennung als Ersatzneubau noch erfüllt ist oder ein Planfeststellungsverfahren nötig wird, was die Umsetzung um Jahre nach hinten verschieben würde, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand mit Sicherheit sagen. Die Risiken gelten aber zumindest als deutlich höher als bei den anderen drei Entwürfen, was Warnung genug sein sollte.

Welche Tragweite das Vorhaben für Dresden hat, wurde am Donnerstag schnell deutlich.

Ralf Böhme: „Wir sind heute nicht klüger als zuvor.“

Die DNN schalteten sogar einen Liveticker zu der Entscheidung rund um die Carolabrücke. Auf der Besuchertribüne war es ungewöhnlich voll. Und der Stadtrat schaffte zwischen 16 und 22 Uhr wegen der Vielzahl der Anträge und der Länge der Debatte nur einen Bruchteil seiner eigentlichen Tagesordnung.

Dass das Thema emotionalisiere, könne er nachvollziehen, sagte Ralf Böhme in seiner Rede. Die Argumente seien jedoch „uralt“. Andere Stadträte hätten das Verfahren mit Vierfachbeauftragung und einer unverbindlichen Bürgerumfrage zwar überschwänglich gelobt, „doch dem können wir uns nicht anschließen“. Die Carolabrücke von 1971 sei über 50 Jahre von der Stadtgesellschaft ganz selbstverständlich genutzt worden, sie habe funktioniert. Deshalb musste das primäre Anliegen nach ihrem Teileinsturz vom 11. September 2024 sein, diese Havarie so schnell wie möglich zu reparieren. Stattdessen sei man zwei Jahre später gerade so weit, um die Planer mit dem Wiederaufbau zu beauftragen. „Das ist zu lange“, so Ralf Böhme. Und: „Wir sind heute nicht klüger als vorher.“

BSW-Stadtrat Maurice Devantier sprach vom „kitschigsten Entwurf“, dem ein Teil des Stadtrats zum Sieg verhelfe, einer „Pseudo-Bogenbrücke aus Beton“. Zur Diskussion um den geltenden Beschluss des Stadtrats, die Brücke mit vier Autospuren zu bauen, und Vorstößen, die Anzahl auf zwei zu reduzieren oder den Autoverkehr ganz von der Brücke zu verbannen, sagte er: „Die Carolabrücke hatte vorher vier Autofahrspuren und die hat sie jetzt auch. Breiter wird sie nicht deshalb, sondern wegen allem anderen, unter anderem wegen der Radwege. Man sagt, dass sich dort zwei Lastenräder überholen können sollen. Das könnte auch schon Satire sein.“ Das BSW setze sich für einen Kompromiss ein, sodass die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden.

Maurice Devantier: „Das könnte auch schon Satire sein.“