„Tolles Symbol“: Dostojewski wieder unter Menschen
Fjodor Dostojewski (1821-1881) war ziemlich schonungslos in seinem Urteil über die Deutschen, mit denen er wohl oder übel einen Teil seines Lebens verbringen musste. Von 1869 bis 1871 lebte er nach vorherigen Kurzaufenthalten in Dresden und damit länger als irgendwo sonst im Ausland. Der weltberühmte Dichter war produktiv, schrieb an den „Dämonen“, einem seiner Hauptwerke – und sehnte sich nach Russland zurück.
Seit 2006 erinnert ein Denkmal an die Verbindung Dostojewskis zu Dresden, die Initiative dazu kam vom Deutsch-Russischen Kulturinstitut (DRKI). Auf dessen Gelände hatte die Statue, die den Schriftsteller in sich gekehrt in sitzender Haltung zeigt, auch ihren ersten Standort, bevor sie feierlich – im Beisein der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des russischen Präsidenten Wladimir Putin – auf der Neuen Terrasse eingeweiht wurde. Als Anlass diente seinerzeit das Begegnungsformat Petersburger Dialog. Dass Dresden auch noch auf 800 Jahre Stadtgeschichte zurückblickte, wertete den Rahmen zusätzlich auf.
Denkmal musste umziehen
Doch im Sommer 2025 war es mit dem Elbblick für Dostojewski vorbei. Wegen der Arbeiten zur Erweiterung des benachbarten Landtags wurde das Denkmal in der Werkstatt von Steinmetz Paul Hempel zwischengelagert. Seitdem fragten sich viele, wie es damit wohl weitergehen würde, auch im Kontext der sich immer weiter verschlechternden deutsch-russischen Beziehungen. Die Antwort: Dostojewski ist 145 Jahre nach seinem Tod ein weiteres Mal in Dresden umgezogen. Er sinniert nun auf einer Grünfläche neben der Russisch-Orthodoxen Kirche, auf halbem Weg zwischen Hauptbahnhof und TU-Gelände an der Fritz-Löffler-Straße.
Beim Festakt zur Einweihung passten die Menschen kaum alle in die Kirche. Was Dostojewski von dem Trubel um seine Person und den vielen Blumen zu seinen Füßen gehalten hätte, kann man nicht wissen, was bei der Veranstaltung gesagt wurde, allerdings schon. Der DRKI-Vorsitzende Wolfgang Schälike zeigte sich dankbar für die Lösung, die zumindest eine Zwischenlösung sein soll, bis das Denkmal vielleicht an seinen alten Standort zurückkehrt. Aber auch die Wiese neben der Russisch-Orthodoxen Kirche ist ein passender Ehrenplatz, wurde doch Dostojewskis Tochter Ljubow (1869-1926) in Dresden geboren und in der russischen Gemeinde getauft – nur wenige Jahre nach Pjotr Stolypin (1862-1911), der später zu einem der prägendsten Politiker im vorrevolutionären Russland werden sollte. Dresdens orthodoxe Kirche stand zur Taufzeit noch nicht, sie wurde erst 1874 fertiggestellt.
„Immer eine Verbindung unter den Völkern“
Der ehemalige sächsische Innenminister und langjährige Landtagsabgeordnete Heinz Eggert hob die Bedeutung des Denkmals und der Tatsache hervor, dass es jetzt wieder öffentlich zugänglich ist. Damit werde daran erinnert, „dass Kunst und Literatur Grenzen überwinden können, wo Politik und Geschichte Gräben hinterlassen“. Deutsche und Russen seien zwar längst nicht immer einer Meinung gewesen, „aber wir haben einander immer gebraucht“, so der studierte Theologe.
Anwesend bei der Zeremonie war auch Erzpriester Georgi Dawydow, wenngleich dem Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche in Dresden sichtlich jeder Schritt schwerfiel.
Für die BSW-Fraktion im Dresdner Stadtrat ist die Wiederaufstellung des Denkmals an neuer Adresse eine glückliche Fügung. Fraktionschef Ralf Böhme, selbst bei der Einweihung vor Ort, sprach von einem „tollen Symbol“. Relativ geräuschlos sei es gelungen, dieses Vorhaben nach langer Standortsuche zu realisieren. Das Denkmal sei ein Ort zur Erinnerung daran, dass es „ungeachtet aller momentanen Konflikte und Eskalationen immer eine Verbindung zwischen den Völkern Russlands und Deutschlands geben“ werde.








