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11. September 2026

Grüner wird's nicht: BSW-Antrag für Erhalt von Kleingartensparte

Umweltamt vs. Umweltparadies: Diese Kleingartenanlage in Dresden würde die Stadt gern durch eine Wiese ersetzen.

Verkehrte Welt an der Prießnitz: Während das Umweltamt der Landeshauptstadt die Kleingartensparte „Prießnitzaue“ mit den darauf befindlichen 156 Bäumen einebnen will, um den Bach an dessen Unterlauf mitten durch die heutige Anlage umzuleiten, kämpft der Kleingartenverein für das dichte Grün, die Artenvielfalt und die wohltuende Wirkung auf das Mikroklima in der Neustadt. Das BSW teilt diese Anliegen und hat einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, um die Pläne der Stadt zu stoppen.

Deren Vorhaben unter dem Titel „Sanierung des Prallbogens mit Umverlegung der Prießnitz“ wird schon seit mehr als zehn Jahren verfolgt. So lange treibt die Kleingartenpächter damit auch die Sorge um, ihre Grundstücke über kurz oder lang aufgeben zu müssen. Inzwischen existiert die Kleingartensparte zwischen Hohnsteiner und Bautzner Straße seit 44 Jahren und besteht aus 36 Parzellen. Sie ist ein Stück intakte Natur mitten in der Dresdner Neustadt: 72 Wildbienenarten wurden hier nachgewiesen, auch Fledermäuse, Schlangen und Eidechsen waren schon zu beobachten. Die Vegetation ist mittlerweile so üppig, dass die Gärten von den umliegenden Häusern aus teils kaum zu sehen sind.

Doch geht es nach der Stadtverwaltung, sind die Tage dieses Ökoparadieses gezählt. „Dass ausgerechnet das Umweltamt die Fällung von 156 Bäumen beabsichtigt, ist kaum zu fassen“, sagt BSW-Stadtrat Maurice Devantier, der seit Anfang des Jahres mit den Kleingärtnern im Gespräch ist. Auf BSW-Anfrage hatte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen von den Grünen im Frühjahr bekräftigt, an der „Gewässerausbaumaßnahme“ festzuhalten.

Das bisherige Gelände der Kleingartenanlage werde dabei „vollständig überprägt“ und durch ein „Wiesenplanum“ ersetzt. An die Stelle der jetzigen Vielfalt an Flora und Fauna soll also eine Grünfläche treten. Über deren zukünftige Nutzung und Gestaltung würde nach einem Vollzug unter Einbeziehung der Bürger vor Ort entschieden.

Noch läuft das Planfeststellungsverfahren. Die Stadt hat dem Verein eine Ausgleichsfläche im Bereich Hansapark angeboten – etwa 2,5 Kilometer Luftlinie entfernt. Für einen Großteil der Kleingärtner ist ein solcher Umzug keine Option.

Mit dem BSW-Antrag wird OB Hilbert aufgefordert, die Pläne einzustellen. Die Verlegung des Flussbetts der Prießnitz im Bereich des Prallbogens ist nicht nur aus ökologischer Sicht unsinnig, sie stellt auch keinen relevanten Beitrag zum Hochwasserschutz für die Anwohner dar, was vom Umweltamt im Übrigen auch gar nicht bestritten wird.

Eine etwaige Verbesserung des Zustands der Prießnitz durch einen Verlauf weg von den Ufermauern wäre kein Nutzen, der derart schwerwiegende Auswirkungen auf Mensch und Natur rechtfertigen würde. Vom finanziellen Aufwand ganz zu schweigen: 2022 wurden allein die Baukosten vom Umweltamt mit 1,5 Millionen Euro beziffert. Heute wäre mit einer wesentlich höheren Summe zu rechnen. Dass sich Dresden in seiner angespannten Haushaltslage für viel Geld ein so zweifelhaftes Vorhaben leisten möchte, kann nur auf den entschiedenen Widerstand des BSW stoßen.