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27. Mai 2026

BSW kritisiert Umgang mit dem Namen von Erich Ponto

Fast 70 Jahre nach seinem Tod ist mit Erich Ponto einer der bekanntesten deutschen Theater- und Filmschauspieler der 1940er und 1950er Jahre in die Schlagzeilen geraten – und nun nicht länger Namensgeber eines Dresdner Nachwuchspreises. Der Förderverein des Staatsschauspiels Dresden entschied diese Woche, den „Erich-Ponto-Preis für herausragende künstlerische Leistungen“, der seit 1999 an junge Ensemblemitglieder verliehen wird, umzubenennen. Als Grund wurden einige von Pontos Filmrollen während der Nazizeit geltend gemacht.

Für das BSW ist das ein weiteres Beispiel für einen „auch und gerade im Kulturbereich um sich greifenden Ungeist“, so Fraktionschef Ralf Böhme. „Nachgeborene Generationen maßen sich in grenzenloser Selbstüberhöhung an, Schicksale und Biografien von Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch der DDR, aus sicherer heutiger Perspektive abzuwerten und zu verurteilen. Wir als BSW-Fraktion erwarten von den Dresdner Kultureinrichtungen, dass sie sich solcher inhaltlicher Säuberungen enthalten und damit ihrer potenziellen Vorbildrolle gerecht werden.“

Erich Ponto – 1884 in Lübeck geboren, 1957 in Stuttgart gestorben – hatte von 1914 bis 1947 in Dresden gewirkt und in über 300 Rollen auf der Bühne gestanden. Daneben war er ein äußerst produktiver Filmschauspieler. Die Nachwelt kennt ihn vor allem als Chemielehrer Prof. Crey in der Komödie „Die Feuerzangenbowle“ (1944) und für den Satz „Jeder nor einen wönzigen Schlock!“. Kritiker sagen Ponto nach, er sei zwar kein Gefolgsmann der Nazis gewesen, habe aber in einigen propagandistischen Filmen mitgespielt.

Nach Kriegsende war Erich Ponto, der als politisch unbelastet eingestuft wurde, zunächst Generalintendant der Bühnen der Landeshauptstadt Dresden, dem späteren Staatsschauspiel Dresden. Er gilt als Entdecker der namhaften Schauspieler Rolf Ludwig und Gert Fröbe. In Dresden ist seit 1991 eine Straße in der Nähe des Carolaplatzes nach dem Bundesverdienstkreuz-Träger benannt. Seit 2007 ruht seine Asche in einem Ehrengrab der Stadt Dresden im Urnenhain Tolkewitz.

Erich Ponto (links) in seiner wohl berühmtesten Filmrolle als Professor Crey in der "Feuerzangenbowle" an der Seite von Heinz Rühmann. Als der Film mitten im Krieg, am 28. Januar 1944, Premiere hatte, war Ponto 59 Jahre alt. Die TV-Erstaufführung 20 Jahre später - zuerst im DDR-Fernsehen - erlebte er nicht mehr. (Foto: Screenshot aus "Die Feuerzangenbowle")