Carolabrücke: Geist des Originals in Entwürfen für Neubau erkennbar
Am heutigen Dienstag wurden dem Begleitgremium Carolabrücke die Entwürfe der vier Planungsbüros für den Wiederaufbau vorgestellt. Hier eine erste Stellungnahme dazu von BSW-Fraktionschef Ralf Böhme.
Zügig, kostenoptimiert und am Original von 1971 orientiert – das waren von Anfang an die Leitplanken der Fraktion BSW für den Wiederaufbau der Carolabrücke als Ersatzneubau. Untermauert hat unsere Fraktion das mit ihrem Ersetzungsantrag zur Beschlussvorlage im Juni 2025. Ziel war ein maximal schlankes Verfahren und damit ein schneller Baubeginn zu günstigen Konditionen. Prämisse: die Wiederherstellung der Carolabrücke in ihrer Gestalt vor dem Teileinsturz im September 2024, also auch mit derselben Anzahl an Spuren für die verschiedenen Verkehrsarten. Leider ist der Stadtrat unserem Antrag nicht gefolgt.
Das Ergebnis sehen wir heute: Erst im September und damit zwei Jahre nach dem Einsturz soll der Stadtrat darüber entscheiden, welches Büro die Planung für den Ersatzneubau ausführen wird. Der Baustart wird nach jetzigem Stand nicht vor Sommer 2028 erfolgen. Das ist Dresden-Tempo, wie es leibt und lebt. Vor dem Hintergrund der Schlüsselrolle der Carolabrücke für den Stadt- und Durchgangsverkehr und der massiven Probleme, die ihr Wegfall verursacht hat und weiter verursacht, sind solche Fristen der Landeshauptstadt nicht würdig.
Fragen wirft auch die geplante Bürgerbeteiligung unter dem Begriff carolaVOTE auf. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit ist ohnehin nur schöner Schein, denn Mechanismen realer Einflussnahme durch die Bevölkerung sind auf diesem Weg nicht vorgesehen. Dasselbe gilt für gegenüber der Presse geäußerte Ansichten von Experten, die den Stadtratsbeschluss vom Juni 2025 und speziell die vier Fahrspuren für den Autoverkehr in Frage stellen und als nicht bindend erscheinen lassen. Diese Art der Meinungsbildung bindet Ressourcen, unterminiert die Verantwortung des Stadtrats und verzögert das ohnehin zeitraubende Verfahren.
Dem Begleitgremium Carolabrücke wurden heute die vier Entwürfe der Planungsbüros präsentiert. Sie zeugen vom Bemühen, eine möglichst zurückhaltende Einordnung in die Stadtsilhouette zu erreichen – wie es die Brücke von 1971 vormachte. Es bleibt die Erfordernis, eine große Zahl an Details, wie zum Beispiel die ungefragte Vertiefung der Thematik der Anzahl von Fahrspuren, zu prüfen sowie Kostenherleitungen und Terminschienen kritisch zu verifizieren.






