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Carolabrücke: Mehrheit im Stadtrat auf Irrfahrt

In dieses Bild soll möglichst bald wieder Bewegung kommen, wenn der Wiederaufbau der Carolabrücke beginnt.

Der Teileinsturz der Carolabrücke vom 11. September 2024 wird fast zwei Jahre her sein, wenn der Stadtrat am 3. September darüber abstimmt, welches Planungsbüro den Wiederaufbau realisieren darf – sofern nicht noch etwas dazwischenkommt und sich der ohnehin erst für das Frühjahr 2028 geplante Baustart weiter nach hinten verschiebt. Das langwierige Verfahren der Vierfachbeauftragung von Planern hat einen schnellen und ökonomischen Ersatzneubau bereits aus dem Blick geraten lassen. Ein Antrag des BSW, der es stark verkürzt hätte, stieß bei der entscheidenden Sitzung des Stadtrats im Juni 2025 leider auf taube Ohren.

Inzwischen ist klar: Sowohl eine Fachjury als auch das Begleitgremium Carolabrücke, dem Vertreter aller relevanten gesellschaftlichen Player angehören, empfehlen den Entwurf von LAP zur Umsetzung. Bei einer Online-Bürgerumfrage landete stattdessen der Entwurf von FHECOR auf dem ersten Platz (vor LAP). Mitgemacht bei dem digitalen Format haben knapp 26.000 Menschen, davon weniger als 22.000 aus Dresden – annähernd vier Prozent der Stadtbevölkerung. Um die Einordnung zu komplettieren: Auf FHECOR als Spitzenreiter des Rankings entfielen ungefähr 8500 Stimmen von Dresdnerinnen und Dresdnern. Welchen Stellenwert dieses Votum hat, ist offensichtlich.

Umso absurder, dass sich im Stadtrat eine Mehrheit aus AfD, CDU, Team Zastrow und FDP/FB pro FHECOR abzeichnet, maßgeblich unter Verweis auf die Umfrage.

BSW-Fraktionschef Ralf Böhme: „Das ist der genehmigungsrechtlich und damit zeitlich risikoreichste Entwurf. Hier werden Prioritäten deutlich, die keinen erkennbaren Zusammenhang mit den Bedarfen der Dresdner Stadtgesellschaft haben.“ Es dürften jetzt keine Experimente gestartet werden, die unkalkulierbare Risiken mit sich bringen und zu massivem Zeitverlust führen könnten. Ralf Böhme warnt deshalb vor einem „unverantwortlichem Vabanque-Spiel im Stadtrat“ und einer „Irrfahrt“, wodurch sich die brückenlose Zeit womöglich bis 2034 verlängert. Nach jetzigen Stand ist eine Fertigstellung oder zumindest Teileröffnung für den Herbst 2029 oder das Frühjahr 2030 von den Planungsbüros in Aussicht gestellt.

Die BSW-Fraktion hatte den Entwurf von Schüßler-Plan für den Wiederaufbau der Carolabrücke favorisiert. Damit wäre das Vorhaben zügig, preisgünstig und ohne Risiko eines Planfeststellungsverfahrens zu realisieren gewesen. Dieser Entwurf fand im Begleitgremium allerdings keine Mehrheit.

Für das BSW haben der Ausschluss des Risikos eines Planfeststellungsverfahrens, die Kostenminimierung sowie eine möglichst schnelle bauliche Umsetzung weiterhin Priorität. Eine Diskussion über die Anzahl der Fahrspuren erübrigt sich, da der Stadtrat dazu klare Beschlüsse gefasst hat.