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30. Juli 2026

50 Jahre Olympia in Montreal und das Vermächtnis des DDR-Sports

Das Olympiastadion von 1976 in der kanadischen Stadt Montreal

Die DDR war ein kleines Land, aber auch eine der größten Sportnationen. Als vor 50 Jahren, am 1. August 1976, die Olympischen Sommerspiele von Montreal zu Ende gingen, wies der Medaillenspiegel die DDR-Auswahl auf dem zweiten Platz aus – hinter der Sowjetunion und vor den USA. 90 Medaillen, darunter 40 Mal Gold, hatten die ostdeutschen Athletinnen und Athleten erkämpft. Namen wie der von Schwimmerin Kornelia Ender (4x Gold) und von Marathonläufer Waldemar Cierpinski, der vier Jahre später in Moskau seinen Triumph wiederholen sollte, blieben im Gedächtnis.

Auch die DDR-Fußball-Nationalmannschaft schrieb mit ihrem Olympiasieg Geschichte. Sie verlor im Verlaufe des Turniers trotz namhafter Gegnerschaft – Brasilien und Spanien bereits in der Gruppenphase – kein einziges Spiel, gewann unter anderem 4:0 gegen Frankreich und im Finale bekanntlich 3:1 gegen Polen. Dynamo Dresden stellte mit gleich sechs Spielern einen starken Block im Team von Trainer Georg Buschner. Kapitän war Dynamo-Libero Dixie Dörner, damals 25 Jahre alt.

Diese Erfolge hatten System. Ein Land mit 17 Millionen Einwohnern konnte den viel größeren Mitbewerbern nur deshalb die vorderen Plätze streitig machen, weil es nichts dem Zufall überließ.

Kinder wurden schon in früh für den Leistungssport gesichtet, chancenreiche Sportarten in besonderer Weise gefördert, Trainerinnen und Trainer an der DHfK nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft ausgebildet. Dazu kam ein ausgesprochenes Leistungsdenken, welches Mittelmaß nicht honorierte. Das zahlte sich aus: Montreal war längst keine Eintagsfliege, auch bei den Olympischen Spielen in Moskau (1980) und Seoul (1988) landete die DDR auf Platz zwei.

Bei den ersten Spielen nach der Wiedervereinigung holte die nunmehr gesamtdeutsche Mannschaft 1992 in Barcelona immerhin noch 82 Medaillen – 60 weniger als DDR und BRD zusammen in Seoul – und belegte den dritten Rang. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren in Paris reichte es für Deutschland in der Nationenwertung mit 33 Medaillen (12 Mal Gold) nur noch zu Platz zehn. Wie kann der schleichende Abstieg des deutschen Spitzensports gestoppt werden? Ralf Böhme, Fraktionschef des BSW im Stadtrat Dresden: „In der Diskussion um Wege aus der Krise muss sich der Blick auch auf das Vermächtnis der DDR-Sportpolitik richten, deren Strukturen nach der Wende leichtfertig über Bord geworfen wurden.“